Stellungnahme zur offenen Petition Beibehaltung der Öffnungszeiten (Stand 2019) im Hallenbad Alohra

In den letzten Jahrzehnten hat sich Rastatt, ohne dass es sich öffentlich dessen gerühmt hätte, zur Bäderstadt in Mittelbaden entwickelt. Wie kaum eine andere Stadt dieser Größe wurden den Bürgern zwei Bäder angeboten, die sogar in der warmen Jahreshälfte (außer in den letzten Jahren) gleichzeitig ihren Bürgern offenstanden. Und dies mit sehr großzügigen Öffnungszeiten bei moderaten Eintrittspreisen.

Vielleicht ist es im Sinne der Rastatter Imagepflege bedauerlich, dass diese fast fürstliche Situation den Nichtschwimmern weitgehend verborgen blieb. Die zahlreichen Schwimmer und Badenden der Region - Elsass eingeschlossen - wissen jedoch diese Vorzüge mehr als zu schätzen.
Insbesondere die breiten Öffnungszeiten des Alohra führten zur regelmäßigen und langjährigen Nutzung ganz verschiedener Besuchergruppen.
Am größten ist die Gruppe Gesundheitsbewussten und Gesundheitssuchenden. Das sind nicht nur jene, denen aus orthopädischen Gründen andere Ausdauersportarten verwehrt sind, sondern auch die Besucher, für die der Badebesuch ein zwingender Teil einer Therapie ist.

Ein Badegast: „Ich gehe täglich morgens um 9:00 Uhr zur Physiotherapie. Das Schwimmen von 7:00 Uhr bis 8:00 Uhr brauche ich zwingend zur Vorbereitung meines Körpers. Ohne diese Kombination von Aufwärmtraining und anschließender Physiotherapie kann ich meine eingeschränkte Beweglichkeit für das tägliche Leben nicht mehr aufrechterhalten.“

Ein weitere (betagte) Besucherin: „Mit dem Schwimmen morgens von 6:30 bis 7:30 Uhr halte ich mich soweit fit, dass ich den Großteil des Tages meinen sehr kranken Mann versorgen und pflegen kann. Ich kann nur zu dieser Uhrzeit kommen.“

Die Gruppe der sportlich Ambitionierten nutzt häufig die frühen Öffnungszeiten mehrmals pro Woche, weil das Training noch vor einem ausgefüllten Berufsalltag absolviert werden kann. Zu finden sind in dieser Gruppe z.B. sehr erfolgreiche Triathlon-Teilnehmer (DATEV Challenge Roth).
Fast allen Frühschwimmern (das sind nicht nur jene, die um 6:30 das Drehkreuz passieren, sondern alle Besucher vor 9:00 Uhr) ist gemeinsam, dass ein mit Verpflichtungen gefüllter Tag dem Badbesuch folgt.

Berücksichtigt werden muss in diesem Zusammenhang, dass den Badbesuchern morgens und am Vormittag i.d.R. das Bad nicht vollständig zur Verfügung steht, sondern das Schwimmbahnen für die Schule und für Vereine abgetrennt werden.
Trotz der bis zum Jahresende sehr positiven Ausgangslage der Badegäste betrachteten zurückliegend viele Badbesucher die Entwicklung mit einer zunehmenden Besorgnis.

Ein Grund ist der bauliche Zustand beider Bäder, welchen eine Generalsanierung immer erspart blieb.

Zum anderen ängstigte die Personalstruktur der Bäder, deren Rätselhaftigkeit immer mehr Gewissheiten wichen. Mit den Beobachtungen und den zahlreichen vertraulichen und informellen Gesprächen der Badbesucher stellte sich heraus, dass nicht nur ein chronisch schlechtes Betriebsklima bestand und besteht, sondern dass sogar Dauerkonflikte ein normales Arbeiten verhindern. Im Wesentlichen schienen und scheinen die Ursachen bis heute bei Einzelpersonen, die namentlich bekannt sind, zu liegen.

Aussage einer Fachkraft für Schwimmbäder, die nach einer kurzen Beschäftigungszeit inzwischen in einem anderen Bad beschäftigt ist: Ja, ich habe jetzt eine höhere Bezahlung. Aber so schlecht war das Gehalt in Rastatt auch nicht. Aber ehrlich, so wie mit einem in Rastatt oft umgesprungen wird, ist das Arbeiten sehr belastend und macht keinen Spaß.“
Offene Fragen, die sich viele Badbesucher stellen
Ich bin mit der Reduzierung der Öffnungszeiten nicht einverstanden. Warum werden die Öffnungszeiten gekürzt, ohne die Ursachen der gespannten Personalsituation zu suchen und zu beseitigen?
Warum werden von den Entscheidern und dem Gemeinderat nicht Badbesucher befragt um sich ein vollständiges Bild zu machen?
Warum glaubt der Technische Ausschuss und sogar der Gemeinderat, dass allein ein um 10% höheres Entgelt für die Beschäftigen das Problem lösen werde, insofern doch jeder weiß, dass die Bezahlung nicht die alleinige Motivation für Arbeit ist?

Am 08.10.2019 wurde in der BNN zitiert: „Sie sind arbeitnehmerfreundlich, …. die Öffnungszeiten haben wir anhand der Schichtzeiten angepasst“, erläuterte Kaspryk die Planungen. „Sie sind arbeitnehmerfreundlich.“… Heißt das, dass die vermeintliche Arbeitnehmerfreundlichkeit mit reduziertem Service für die Bürger erkauft wird? Lässt sich dieser Grundsatz nicht auch auf die Verkehrsbetriebe und die Busfahrer übertragen? Also sonntags z.B. kein Bus vor 10:00 Uhr?
Laut BNN vom 08.10.2019 sollen die kürzeren Öffnungszeiten Kosten sparen. Mit den reduzierten Zeiten würde sich nicht nur der Personalbedarf verringern. Die Änderungen brächten dem Gremium zufolge auch jährliche Kosteneinsparungen zwischen 100 000 bis 120 000 Euro mit sich. Mit diesen wiederum lasse sich ein weiterer Vorschlag des Ausschusses zur Verbesserung der Personalsituation realisieren.

Ist diese Betrachtungsweise nicht gänzlich unrealistisch und widerspricht einer vernünftigen betriebswirtschaftlichen Berechnung, welche auch in der Zukunft liegende Faktoren berücksichtigt? Die reduzierten Öffnungszeiten werden zwangsläufig zu einer reduzierten Besucherzahl führen. Besonders die Dauerkarten lohnen sich für viele Besucher nicht mehr. Wie kann man annehmen, dass mit einem Umsatzrückgang zusätzliche Kosten gedeckt werden können und evtl. noch ein Überschuss entsteht?
Liegt eine betriebswirtschaftliche Berechnung vor? Wenn ja, wer hat sie geprüft (Forecast Controlling)?

Wurde der Themenbereich Mitarbeiterzufriedenheit, Führung und Abwanderung überhaupt nicht erörtert und geprüft? Sind die Personalprobleme einschließlich der Abwanderung nicht hausgemacht? Warum vertraut der Gemeinderat allein und ohne weitere Informationen auf eine Darstellung des Technischen Ausschusses, der in Personalangelegenheiten automatisch parteiisch sein muss, weil er Teil des Systems ist?

Warum wird nicht einer kompetenten unabhängigen Person der Auftrag erteilt, Ursachen der Unzufriedenheit und Abwanderung zu untersuchen?
Mit dem Bäderangebot für seine Bürger hatte in der Vergangenheit die Stadt Rastatt ein Alleinstellungsmerkmal, dass in keiner Weise positiv und Image fördernd genutzt wurde. Warum ist der Gemeinderat ohne weiteres Nachdenken bereit, dieses Qualitätsmerkmal zu opfern um sich mit Mittelmaß zufrieden zu geben?

Diese Fragen stellend sehen viele Badbesucher den Gemeinderatsbeschluss zur Einschränkung der Öffnungszeiten als einen unüberlegten Schnellschuss, der nur eine sichere Auswirkung haben wird, nämlich eine erhebliche Einschränkung der Leistung für den Bürger, ohne dass daraus zwangsläufig ein Vorteil für die Stadt entstehen wird.

Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass neben der Kommunalverwaltung die Gemeindevertretung Petitionsadressat sein kann und zwar nicht nur als zuständige Stelle, sondern darüber hinaus als Volksvertretung. Deshalb steht ihr ein Petitionsüberweisungsrecht sowie das darauf bezogene Petitionsinformierungsrecht aus Art. 17 GG zu. Jedermann hat ein Recht darauf, dass seine Petitionen von den zuständigen Stellen und Gemeindevertretungen behandelt werden und dass ihm hierüber Nachricht gegeben wird. Das Petitionsrecht gilt nach Art. 17 i.V.m. Art. 31 GG für alle Gemeinden, unabhängig davon, ob und in welcher Weise es in die Gemeindeordnungen der jeweiligen Bundesländer aufgenommen wurde.

Stichworte und Fragezeichen
Wer hat die Zugangsdaten am Eingang zum Bad verifiziert?
Ist das Vorliegen der Zugangsdaten nicht zu wenig für den Rückschluss auf die Badnutzung?

Wenn mit den Badeintrittsdaten eine ungleichmäßige Frequentierung gemessen wird, warum werden diese Informationen den Badbesuchern nicht zur Verfügung gestellt? (Viele Badbesucher gehen unverrichteter Dinge wieder nachhause, weil zu viele Badegäste im Bad sind.)

Bleibt die Verweildauer der Besucher im Bad offen? (Nicht allein der Zugang ins Bad ist eine Größe für die Badbelegung.)

Haben genügend Bahnschwimmer Platz, auch bei dauerhaft gesperrten Bahnen? Wie vertragen sich Badende und Bahnschwimmer?

Jedes Jahr im Winter steigt die Anzahl der Tage, an welchen das Außenbecken geschlossen ist. Noch vor ca. 15 Jahren war das Außenbecken im Winter durchgehend offen, was die Sportschwimmer gerne nutzten. Nun ist es im Winter über mehrere Wochen geschlossen, obwohl die ganzjährige Öffnung gepriesen wird. Ist dieser Umstand bei Zählungen berücksichtigt?

Rechtliche Grundlage der Petition: Alexander Herbert | Das Petitionsrecht in der Kommune - Gemeindevertretung als Petitionsadressat

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